Zertifikatslehrgang
Erlebnispädagogik
Das Kompetenzzentrum für Soziale Arbeit (KOSAR) an der Fachhochschule FH Campus Wien und der Oesterreichische Alpenverein bieten erstmals gemeinsam eine spezifische Weiterbildung für Erlebnispädagogik im Handlungsfeld Sozialarbeit/Sozialpädagogik an!
Erlebnispädagogik ist einer der wichtigen Ansätze in der sozialen Arbeit. Unsere Standortbestimmung deklariert sie klar als „Intervention zur Verhaltensänderung von Jugendlichen“. Handlungsmotivation und Qualifizierungsbedarf unterscheiden sich damit deutlich von erlebnisorientierter und freizeitpädagogischer Arbeit. Ziel des Lehrgangs ist es, die Teilnehmenden für Tätigkeiten im erlebnispädagogischen Kontext bestens vorzubereiten.
Zielgruppe:
Interessierte aus Sozialpädagogik/Sozialarbeit die Erlebnispädagogik in ihr berufliches Handeln integrieren wollen (Zugangsvorraussetzungen siehe bitte Detailinfo).
Kursbeschreibung:
Ausgebildet wird für die Erlebnispädagogik in der sozialen Arbeit. Die 30 Ausbildungstage sind in Einstiegseminar und sechs weitere Module. Zusätzliche fachsportliche Ausbildung und Praxiserfahrung sind Bestandteil des Lehrgangs. Modul 1 bis 6 wird ein einer geschlossenen Ausbildungsgruppe absolviert.
Die Detailinformation und das Bewerbungsformular für den Lehrgang finden Sie im Downloadbereich.
Lehrgangsleitung: Dipl. Sozialpäd. Jürgen Einwanger
Lehrteam: Dr. Martina Gasser, Kristine Rohwedder, Hannes Boneberger, Mag. Rainald Baig-Schneider, Mag. Andreas Zimmermann, DSA Werner Ebner, DSA Klemens Fraunbaum MSc, u.a.
Abschluss:
Bei erfolgreicher Teilnahme am Lehrgang erhalten die AbsolventInnen ein Abschlusszertifikat des Kompetenzzentrums für Soziale Arbeit (KOSAR) an der Fachhochschule FH Campus Wien.
Lehrgangsbeschreibung
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Einstiegsseminar
Die Teilnahme am Einstiegsseminar steht allen Interessierten mit entsprechendem fachlichen Hintergrund offen. Dieses Seminar wird zunächst einzeln gebucht. Erst im Anschluss ist eine Bewerbung zum Lehrgang möglich.
Einstieg: „Ich « » Gruppe « » Natur - Grundlagen alpiner Erlebnispädagogik“ (4,5 Tage) - Zur Buchung des Einstiegsmoduls
Thema/Inhalt:
Die Teilnahme an diesem Seminar ist für alle Interessierten offen! Die Entscheidung über die Teilnahme zum gesamten Lehrgang fällt erst nach diesem Modul. -
Modul 1: „Selbstkonzept und Gruppendynamik“
Thema/Inhalt:
In diesem Modul konzentrieren wir uns auf unser individuelles „Lebens-Konzept“.
Praktische Eigenerfahrung und reflexiver Umgang miteinander ermöglichen eine wertvolle Lernerfahrung. Fundiertes Wissen über gruppendynamische Abläufe, Wahrnehmungsphänomene und individuelles Erleben in einmaliger Naturumgebung prägen diesen wertvollen Teil der Ausbildung. Hier geht es nicht unmittelbar um „Veränderung“, sondern um (Sich)-Erkennen und Erleben des (Un)-Bewusstseins als Kernkompetenz meiner Leitungsrolle.
Die verwendeten Methoden sind später als Multiplikator durchführbar und anwendbar. -
Modul 2: „Aktion => Reflexion => Transfer“
Thema/Inhalt:
Aufbauend auf den gemachten Erfahrungen in den ersten beiden Kursmodulen wird in diesem Seminar die Theorie und Praxis erlebnispädagogischen Handelns vertieft.
In Bezug zu den gemachten Erfahrungen wird die Brücke zwischen Selbstwahrnehmung, Leitungskompetenz und der Arbeit mit Jugendlichen geschlagen. Dabei sind Methodik, Didaktik und Lernmodelle der Erlebnispädagogik ebenso wichtig, wie die Klärung von Anforderungsprofilen und der Entwicklung von Trainings- und Praxisprojekten. Verschiedene praktische Methoden stehen als Lern- und Wahrnehmungsmöglichkeit zur Verfügung.
Für die Auseinandersetzung mit der individuellen Handlungskompetenz und zur Vertiefung der zahlreichen theoretischen Aspekte werden u.a. kooperative Übungen und evtl. eine Höhlenbefahrung angeboten. -
Modul 3: „Sozialpädagogische Diagnostik“
Thema/Inhalt:
Die Möglichkeiten sozialpädagogischer Diagnostik in "Natur" und mit Hilfe von Naturmaterialien sind der Inhalt dieses Seminars.
Gerade bei lang- und mittelfristigen erlebnispädagogischen Projekten ist der Ruf nach einer geeigneten Diagnostik verständlich. Oft ist es sinnvoll, die psychologische Diagnostik durch eine sozialpädagogische zu ergänzen. Die TeilnehmerInnen lernen praktische diagnostische Methoden kennen. Mit diesen können sie die Situation von Jugendlichen und deren Lebensgeschichte besser verstehen und daraus entsprechende Handlungspläne erstellen.
In der Praxis geben diese Methoden nicht nur den BetreuerInnen, sondern auch den Jugendlichen Informationen, anhand derer sie ihre Selbsteinschätzung verbessern und Wirkungszusammenhänge erkennen können. -
Modul 4: „Erste Hilfe Outdoor“
Thema/Inhalt:
Viel erlebnispädagogische Maßnahmen finden „abseits der Zivilisation“ statt. Oft steht professionelle Rettung kaum oder nur sehr langsam zur Verfügung. Dieses Notfalltraining bereitet gezielt auf die entsprechende Situation vor.
Erste-Hilfe kann, wenn sie richtig angewandt wird, Leben retten. Im Outdoor-Bereich ist sie umso wichtiger, da fremde Hilfe nicht immer sofort zur Verfügung steht. Außerdem sind die LeiterInnen mit sehr unterschiedlichen Verletzungsmöglichkeiten und oft komplexen Gruppensituationen konfrontiert. Das Spannungsfeld "Unfall-Leitung-Gruppe" steht daher neben den Erste Hilfe Maßnahmen und typischen Verletzungen im Mittelpunkt. Der inhaltliche Bogen spannt sich von Unfallprävention bis Hubschraubereinweisung.
Theorieeinheiten indoor und Unfallszenarien outdoor wechseln sich ab; dabei wird die Komplexität im Seminarverlauf gesteigert. -
Modul 5: „Alpine Erlebnispädagogik im Winter“
Thema/Inhalt:
Abseits von gesicherten Pisten bietet der „Winter“ die Möglichkeit zu besonderen Herausforderungen – diese sollen in diesem Seminar spürbar werden.
Eine abgeschiedene Winterlandschaft spricht für sich! Ruhe, Klarheit und Authentizität liegt in der Luft. Der Verbleib in der Komfortzone braucht soziale Sicherheit und gute Vorbereitung. Beim Bau eines Winterbiwaks und der Übernachtung im Freien werden Selbstkonzept und Leitungsfähigkeit unter Umständen auf die Probe gestellt. Ein guter Anlass sich auch mit pädagogischen Angstthemen wie „Recht“ und „Umgang mit Risiko“ auseinanderzusetzen.
Ob Schneeschuhgehen, Iglubau oder Spiele im Schnee – der Winter bietet viele Möglichkeiten auch in dieser Jahreszeit praktisch zu arbeiten – einiges davon wollen wir ausprobieren und die Umsetzbarkeit in der Jugendarbeit thematisieren. -
Modul 6: „Prozess- und lösungsorientierte Methoden in der Natur“
Thema/Inhalt:
In diesem Modul beschäftigen wir uns mit kreativen Methoden zur ressourcenorientierten Arbeit mit Jugendlichen.
In einer individuellen Prozessgestaltung sollen innerpsychische, soziale und systemische Entwicklungsprozesse aufgezeigt und verstärkt werden. Prozesshaftes Arbeiten bedeutet dabei, die Lernziele und Methoden an die Ressourcen und Bedürfnisse unserer KlientInnen anzupassen und folgt den Inhalten, die in der gemeinsamen "Arbeit" auftauchen. Dieser Ansatz beruht auf der Überzeugung, dass alles, was ein Mensch für einen positiven Lernprozess braucht, bereits in ihm vorhanden ist.
Wir gehen von einer Komplexität von Einflussgrößen aus, die auf Grund unseres systemischen Verständnisses in diese Arbeit mit integriert werden – diese Integration braucht Sicherheit im Umgang mit Prozessen und Methoden. -
Technik: Fachsportliche Ausbildung
Thema/Inhalt:
z.B. Übungsleiter des Oesterreichischen Alpenvereins oder Seilgartentrainerausbildung (SGT) des Trägerverbundes.
Für die Zusatzqualifikation anerkannte Übungsleiter/SGT-Kurse sind derzeit:
• Übungsleiter Wildnistrekking
• Übungsleiter Natursport integrativ
• Übungsleiter Kanu
• Übungsleiter Mountainbike
• Übungsleiter Klettern alpin
• Übungsleiter Sportklettern
• Übungsleiter Schitouren/Snowboardtouren
• Übungsleiter Hochtouren
• Ausbildung zum Seilgartentrainer (mobil und/oder stationär) des Trägerverbundes
Es werden auch andere staatlich anerkannte Ausbildungen angerechnet. (z.B. Bergführer, Bergwanderführer, Instruktoren, etc.) Prüfung und Genehmigung durch die Lehrgangsleitung.
WICHTIG: Die, in der für den Lehrgang anerkannten fachsportlichen Ausbildung erworbene Kompetenz, sollte im Projekt angewendet werden! -
Praxis
Die „Praxis“ nimmt im Rahmen des Lehrgangs eine zentrale Stellung ein. Sie dient vor allem der Möglichkeit der begleiteten Praxiserfahrung und -reflexion.
Entsprechend dem inhaltlichen und strukturellen Anspruch an „erlebnispädagogisches“ Arbeiten wird in der Gestaltung der „Praxis“ speziell auch auf die für die Begleitung pädagogischer Prozesse unabdingbaren Faktoren „Zeit und Beziehung“ Wert gelegt. Das heißt unter anderem, dass Ziele, die mit und für die Klienten erreicht werden sollen Ergebnis einer sinnvollen Anamnese sind und ihre Erreichung mit angemessenen Instrumenten überprüft werden.
• Praxisprojekt (mind. 66 Zeitstunden): Die Arbeit mit Klienten beginnt frühestens nach erfolgreich abgeschlossenem Modul 4 und endet rechtzeitig vor dem Abschlusskolloquium.
• Gruppen und Einzelsupervision zum Praxisprojekt (6 Zeitstunden)
Termin/ Ort: (nach Vereinbarung)
Kosten: EUR 350,00 für Supervisionen
• Schriftliche Facharbeit in Peergruppen (33 Zeitstunden) -
Abschluss: Kolloquium
Thema/Inhalt:
Durch den Austausch der Praxiserfahrungen entsteht ein spezieller „Wissenspool“! Diesen zu nutzen, den eigenen Entwicklungsweg und die Ausbildung zu reflektieren – dafür soll noch einmal Zeit sein.
Die Präsentation der Projekte und die anschließende fachliche Auseinandersetzung stehen im Mittelpunkt des Kolloquiums. Neben Leitungsfeedback durch das Lehrteam, Rückmeldegespräche unter den Teilnehmenden und Selbstreflexion über den eigenen Lernfortschritt sowie Auswertung der Gesamtausbildung schließen den Lehrgang ab. Am Ende steht die Vergabe der Abschlusszertifikate.



